Verdächtige Begriffe kurz vor dem D-Day
Im Frühjahr 1944 liefen die Vorbereitungen für die alliierte Landung in der Normandie unter strengster Geheimhaltung. Umso merkwürdiger war, was Leser des Daily Telegraph in mehreren Kreuzworträtseln entdecken konnten.
Am 2. Mai erschien „Utah“ als Lösung, der Codename eines der amerikanischen Landungsabschnitte. Am 22. Mai folgte „Omaha“, ebenfalls ein Strandabschnitt der geplanten Invasion. Noch brisanter wurde es wenige Tage später. Auch „Overlord“, der Name der gesamten Invasionsoperation, und „Neptune“, der Codename für die Landung der alliierten Truppen an der Küste, tauchten in den Rätseln auf.
Weitere Begriffe mit Verbindung zur bevorstehenden Landung waren bereits zuvor erschienen. Angesichts der militärischen Bedeutung dieser Namen wurde der britische Geheimdienst aufmerksam.
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Der Rätselmacher gerät unter Verdacht
Verantwortlich für die Kreuzworträtsel war Leonard Dawe, ein Lehrer und langjähriger Rätselmacher des Daily Telegraph. Er wurde zu den auffälligen Lösungen befragt.
Die entscheidende Frage lag auf der Hand: Woher kannte Dawe Begriffe, die mit einer der wichtigsten geheimen Militäroperationen des Zweiten Weltkriegs zusammenhingen?
Dawe bestritt, etwas über die bevorstehende Invasion zu wissen. Hinweise darauf, dass er tatsächlich Zugang zu geheimen militärischen Informationen hatte oder bewusst Codenamen in seinen Rätseln versteckte, wurden nicht gefunden.
Die Ermittlungen verliefen schließlich ohne Folgen für ihn.
Woher kamen die Codenamen?
Gerade dieser Punkt macht die Geschichte bis heute interessant. Eine eindeutig belegte Erklärung dafür, warum ausgerechnet mehrere D-Day-Codenamen kurz vor der Invasion in den Kreuzworträtseln auftauchten, gibt es nicht.
Jahrzehnte später berichtete ein ehemaliger Schüler Dawes, dass Schüler bei der Erstellung der Rätsel geholfen hätten. In der Umgebung hielten sich damals zahlreiche Soldaten auf. Nach dieser Darstellung könnten die Jugendlichen einzelne Begriffe aufgeschnappt haben, ohne ihre Bedeutung zu kennen, und sie anschließend bei Dawe eingebracht haben.
Die Geschichte würde den ungewöhnlichen Zufall erklären. Beweisen lässt sie sich allerdings nicht.
Warum die Begriffe so brisant waren
Dass die Behörden den Vorfall ernst nahmen, hatte einen guten Grund. Die Geheimhaltung rund um die bevorstehende Landung war für den Erfolg der Operation von großer Bedeutung.
Die Alliierten versuchten gleichzeitig mit umfangreichen Täuschungsmaßnahmen, die deutsche Führung über den tatsächlichen Ort und Zeitpunkt der Invasion im Unklaren zu lassen. Die Deutschen sollten insbesondere damit rechnen, dass der Hauptangriff bei Calais stattfinden würde.
Dass Begriffe wie „Omaha“, „Utah“ und „Overlord“ kurz vor dem Angriff öffentlich in einer britischen Zeitung erschienen, musste deshalb zumindest überprüft werden.
Am 6. Juni 1944 begann schließlich die Landung in der Normandie. Die fünf alliierten Landungsabschnitte trugen die Codenamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword. Die Operation war Teil von „Overlord“, während „Neptune“ die eigentliche Landungsoperation bezeichnete.
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Ein ungewöhnliches Kapitel der Kreuzworträtsel-Geschichte
Ob außergewöhnlicher Zufall oder Folge unbedacht aufgeschnappter Begriffe lässt sich heute nicht mehr sicher klären. Fest steht, dass mehrere geheime Bezeichnungen der bevorstehenden Invasion tatsächlich kurz vor dem D-Day in Kreuzworträtseln des Daily Telegraph erschienen.
Damit wurde aus einem gewöhnlichen Zeitungsrätsel für kurze Zeit eine Angelegenheit für die britischen Sicherheitsbehörden. Gerade weil bis heute nicht eindeutig geklärt ist, wie die Begriffe in die Rätsel gelangten, gehört der Fall zu den ungewöhnlichsten Geschichten rund um das Kreuzworträtsel.


